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Getreide im Hundeernährung - Ist es wirklich gefährlich??!

 

 

Ist es überhaupt in Ordnung, das Getreide dem Hund zu füttern?! Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort! In diesem Artikel findest du alles, was du wissen sollst, um eine richtige Entscheidung bezüglich Getreide im Hundefutter zu treffen.

 


Das Getreide scheint das "Schimpfwort" der Hundeernährungswelt zu sein. Erwähne mal, dass du deinem Hund Getreide fütterst, und es kann gut passieren, dass du von manchen Foren und Facebook-Seiten ausgegrenzt wirst. Aber die Tatsache ist, dass jeder Hund ein Individuum ist und keine einzige Diät für eine ganze Tierart geeignet sein kann. Ist Getreide für manche Hunde problematisch? Definitiv! Tut es anderen Hunden gut? Na klar!

 

Lass uns zusammen das Getreide und Hunde genauer anschauen, damit du selbst einscheiden kannst, was für deinen Hund am besten ist.

 

Was ist überhaupt Getreide?

Grundsätzlich heißt Getreide das Saatgut von Gräsern, die als Lebensmittel angebaut werden. Die Getreide sind komplexe Kohlenhydrate, die aus Stärke und Ballaststoffen bestehen. Während der Verdauung zerlegt das Enzym Amylase Stärken in einfache Zucker wie z.B. Glukose. Diese Zucker können von Körper als Energie genutzt werden. Ballaststoffen in Vollkorngetreide sind unverdaulich, bieten jedoch gewisse gesundheitliche Vorteile. Einige Getreidearten enthalten Gluten (ein ziemlich umstrittenes Protein auf pflanzlicher Basis), währen andere Getreidearten glutenfrei sind.

 

Die häufigsten Getreidearten

Glutenhaltiges Getreide

  • Weizen
  • Gertste
  • Roggen
  • Dinkel

Glutenfreies Getreide

  • Mais
  • Hafer ( die Packung muss als "glutenfrei" gekennzeichnet sein)
  • Reis
  • Couscous u. Bulgur

Pseudo-Getreide

(gesonderte Kategorie, die Samen von breitblättrigen Büschen oder Pflanzen anstelle von Gräsern umfasst)

  • Amaranth
  • Buchweizen
  • Quinoa
  • Hirse

Wildreis ist in Wirklichkeit kein Reis, sondern ein Wassergras. Getreide kann entweder Vollkorn oder in einer verarbeiteten "verfeinerten" Version vorkommen.

Was bedeutet "Vollkorn"?

Vollkorngetreide besteht grob aus:

  • Kleie. Die harte faserreiche äußere Schicht oder Hülle des Samens. Reich an Vitaminen Gruppe B und Spurelementen.
  • Keime. Der Kern des Samens oder der Embryo. Er enthält Vitamin E, Vitamine Gruppe B, Antioxidantien und pflanzliche Fette.
  • Mehlkörper. Der größte Teil des Samens, der stärkehaltige Kohlenhydrate und etwas Protein enthält.

Bei verarbeitetem Getreide wurden die Kleie und der Keim des Samens entfernt, so dass nur das stärkehaltige Mehlkörper übrig bleibt. Solche Getreide sind weniger nahrhaft und erhöhen schneller den Blutzucker.

**Brauner Reis ist ein Vollkornprodukt, während weißer Reis eine verfeinerte Version davon ist.


Können eigentlich Hunde Getreide verdauen?

Eindeutig, ja! Die Hunde sind in der Lage Getreide zu verdauen. Hunde produzieren nicht Speichelamylase, sondern Pankreasamylase, so dass sie Stärke verdauen können. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, dass die modernen Hunde deutlich mehr Kopien von AMY2B-Gens als Wölfe haben, um Pankreasamylase zu produzieren. (1) Dieses Gen ist im Pankreas von Hunden 28-mal aktiver als bei Wölfen. Das kann auf die Agrargeschichte zurückgeführt werden. Damals haben die Hunde als treue Begleiter von Menschen die Bruchstücke aus Feldfrüchten der Landwirrte gefressen, darunter Mais, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Weizen und Reis.

 

Warum sollen Hunde Getreide bekommen?

Hunde können die Glukose für Energieversorgung aus Fetten und Eiweiße herstellen. Allerdings bedeutet das nicht, dass Getreide keinen Zweck hat. Hier sind einige Vorteile des Getreides aufgelistet:

  • Ballaststoffe aus Vollkorngetreide können dazu beitragen, die Verdauung zu regulieren. Sie dienen als Nahrung für die guten Bakterien im Darm und helfen die Giftstoffe aus dem Körper zu entfernen.
  • Lösliche Ballaststoffe, wie sie in Hafer zu finden sind, helfen dabei, den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren, das Cholesterin zu kontrollieren und die Nährstoffaufnahme zu verbessern.
  • Vollkorngetreide enthält eine Vielzahl an Vitaminen und Mineralien.
  • Getreide kann den Kaloriengehalt einer Diät reduzieren und gleichzeitig sättigende Ballaststoffe liefern, und damit einen nützlichen Zweck bei der Gewichtsreduktion erfüllen.
  • Kohlenhydratbasierte Energie aus Getreide hilft Hunden mit bestimmten Erkrankung, wie z.B. Nieren- oder Lebererkrankungen, die eine proteinreduzierte Diät benötigen, oder mit Pankreatitis und Darmerkrankungen, die eine fettarme Diät erfordern.
  • Es ist möglich mit Hilfe von Getreide die von Eiweißüberschuss verursachten Hyperaktivität zu kontrollieren.

So bekommst du das Beste aus dem Getreide...

  • Es ist sehr wichtig, Getreide gut zu kochen, um die Verdaulichkeit zu erhöhen.
  • Wähle die Getreidesorte, die den Bedürfnissen des Hundes am meisten entspricht. Vollkorngetreide sind nahrhafter und erhöhenden Blutzuckerspiegel nicht so schnell wie verarbeitetes Getreide. Aber diese Sorten sind jedoch nicht für alle Hunde geeignet. Z.B. Hunde mit Magen-Darm-Beschwerden verdauen typischerweise weißen Reis besser als braunen. Brauner Reis soll in Diäten von Hunde mit Nierenerkrankungen vermieden werden, da er ein hohes Phosphorgehalt aufweist.
  • Mais, Weizen und alle glutenhaltige Getreidesorten sollen aus dem Essensplan gestrichen werden.
  • Füttere niemals gentechnisch verändertes Getreide.
  • Entscheide dich lieber für nahrhafteres Pseude-Getreide wie Buchweizen oder Hirse.
  • Vermeide Nahrungsmittel, die auf Getreide als Ersatz für hochwertiges tierisches Eiweiß angewiesen sind.
  • Wenn du dir nicht sicher bist, ob und wie viel Getreide den Futterplan deines Hundes beinhalten soll -> Hol dir einen Rat des Tierernährungsberaters!

Probleme und Schwierigkeiten mit Getreide im Hundenapf

  • Die meisten Probleme entstehen, wenn Getreide ein qualitativ hochwertiges tierisches Eiweiß ersetzen.
  • Mais und Weizen sind zwei Hauptzutaten, von denen bekannt ist, dass sie bei Hunden Nahrungsmittelempfindlichkeiten hervorrufen.
  • Gluten wird verdächtigt, eine Ursache für Vielzahl von Entzündungen zu sein.

Kleiner Fazit...

Grundsätzlich gilt:

* Um Probleme zu vermeiden, sollte Getreide in seinem richtigen Kontext - als Kohlenhydrate - betrachtet und entsprechend verwendet werden! *

 

* Wenn dein Hund keine Getreideunverträglichkeiten hat und Kohlenhydrate grundsätzlich normal verwerten kann, kann kleine Menge von glutenfreiem Getreide ein Teil des Futters sein! *


1. Erik Axelsson, Abhirami Ratnakumar, Maja-Louise Arendt, Khurram Maqbool, Matthew T. Webster, Michele Perloski, Olof Liberg, Jon M. Arnemo, Åke Hedhammar & Kerstin Lindblad-Toh, The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet, Nature 495, 360-364

 

 

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